Entwicklung des Fachs

1. Geschichte des Faches Fundamentaltheologie

Zur biblischen Begründung der Rationalitätsforderung des Glaubens beruft sich die Fundamentaltheologie auf die Petrusbriefstelle: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt“ (1 Petr 3,15). Tatsächlich ist die Sache der Fundamentaltheologie so alt wie die Bibel. Religiöser Glaube trat immer mit dem Anspruch vernünftiger Wirklichkeitsdeutung und Lebensorientierung auf. Trotzdem etablierte sich die Fundamentaltheologie als eigenständige theologische Disziplin erst im 19. Jahrhundert. Der Tübinger Theologe Johann Sebastian von Drey (1777-1853) gehört zu den Begründern des Faches Fundamentaltheologie. Nach dem Zerbrechen des christlich geschlossenen Weltbilds und angesichts moderner Religionskritik, einsetzender Naturalismusdebatte und Säkularisierungsprozesse gewann die Forderung nach rationaler Verantwortung des Glaubens eine bisher nicht gegebene Dringlichkeit.

2. Themenfelder moderner Fundamentaltheologie

Für den inhaltlichen Aufriss der Fundamentaltheologie war das Schema der drei Traktate Religion, Offenbarung und Kirche in Gebrauch. Es wurde ergänzt durch den vierten Traktat über Glaube und Vernunft. Diese Konzeption spiegelt das apologetische und kontroverstheologische Anliegen der älteren Fundamentaltheologie wider. Heute erweist sich dieses Schema als zu eng. Auch sind die theologischen Denkvoraussetzungen selbst andere geworden. Die neueren theologischen Glaubensfragen lassen sich in diesem älteren Schema weder sinnvoll abbilden noch adäquat behandeln. Moderne Fundamentaltheologie weiß sich interdisziplinär und interreligiös ausgerichtet. Ein Glaube, der sich auf Augenhöhe und im Wissenskontext der Zeit bewegt, muss sich auf diese neueren Fragedynamiken einlassen, die aus der interdisziplinären Vernetzung der Wissenschaften, aus der Begegnung der Religionen sowie aus dem aktuellen Lebensgefühl resultieren. Das macht die fundamentaltheologische Arbeit zwar nicht leichter, dafür aber umso bedeutsamer.
Mit dieser Neuausrichtung lassen sich die Thematiken der Fundamentaltheologie unter die drei Rubriken (1) fundierender, (2) interdisziplinärer und (3) interreligiöser Problemfelder bündeln.

(1) fundierend: Glaube und Vernunft
- theologischer Glaubensbegriff
- erkenntnistheoretischer Vernunftbegriff
- wissenschaftstheoretische Grundlegung von Theologie als Wissenschaft
- traditionelle Theologiekonzepte
- Anforderungen moderner Gegenwartstheologie
- theologische Argumentationstypen
- Theologie und Kunst

(2) interdisziplinär: Gottesfrage im Kontext moderner Wissenschaft
- Gottesbeweise
- neuere Glaubensargumente
- Theodizeeproblem
- Religionskritik
- Epistemologie religiöser Erfahrung
- Theologie und Naturwissenschaft
- Bewusstseins-Hirn-Problematik

(3) interreligiös: Gottesfrage im Kontext der Weltreligionen
- Religionsbegriff
- Offenbarungsverständnis
- Gottesvorstellungen und Weltreligionen
- Theologie der Religionen
- Dialog der Religionen